Blütenreich - Gemeinsam für Vielfalt

Projektkoordination
Mag. Stefanie Pontasch, PhD
Mobil: 0680 2078728
E-Mail: s.pontasch(at)tiroler-umweltanwaltschaft.gv.at


Projektpartner 
Landwirt und Bewirtschafter vor Ort; Gemeinden


Projektzeitraum 
01. September 2015 - 0000

 

Blumenwiesen

Die traditionelle Landwirtschaft hat einst die Vielfalt der Lebewelt und Landschaft ermöglicht. Heute werden Flächen durch Bewirtschaftungsoptimierung zunehmend vereinheitlicht. Aufgrund der intensivierten landwirtschaftlichen Nutzung (mehrfacher Schnitt und starke Düngung) werden Bedingungen geschaffen, unter denen nur die wenigsten Arten überleben können. Die Artenvielfalt schwindet – und mit ihr eine heterogene, farbenreich blühende und lebendige Landschaft.
 
Um diesem Trend entgegenzuwirken bedarf es Wiesenbiotope, die inmitten der intensiv genutzten vereinheitlichten Landschaft ökologisch anspruchsvolle Strukturen darstellen. Diese Flächen bieten Lebensraum für selten gewordene oder bedrohte Pflanzen- und Tierarten, schaffen einen Rückzugsort, erleichtern Wanderungen zwischen bestehenden Lebensräumen und leisten somit einen entscheidenden Beitrag zur Sicherung der Artenvielfalt. Farbenreich blühende Wiesen steigern zudem die Attraktivität des Landschaftsbildes.

Ziel der Tiroler Umweltanwaltschaft ist es, solche Blumenwiesen als Vernetzungselemente zu schaffen. Durch Reduktion der Mahd und Düngung werden ehemals landwirtschaftlich intensiv genutzte Flächen extensiviert und es stellt sich langfristig eine vielfältigere Pflanzenausstattung ein. Jede zusätzliche Pflanzenart bietet Nahrungsquelle oder Lebensraum für zehn Tierarten! Daher wird bei Extensivierung und Erhöhung der Pflanzenvielfalt die Lebensgrundlage für verschiedene Tierarten wie Schmetterlinge, Bienen, Hummeln, Heuschrecken, etc. geschaffen und Wiesen werden wieder lebendig und laut.

 

Konkrete Maßnahmen
  • Extensivierung der Flächen (Reduktion der Düngung und Mahd)
  • Unterstützung der Strukturbildung durch Einsaat mit standortgerechten Samenmischungen
  • Etablieren einer Methode, mit der relativ zeitnah eine Blumenwiese mit hoher Artendiversität geschaffen werden kann
 Projekte
  • Aussaattechniken im Vergleich: Anlage einer Blumenwiese in Going am Wilden Kaiser
  • Anlage einer Blumenwiese in Ebbs
  • Naturschutzmonitoring in Natters
  • Anlage einer Bienenweide in Uderns 

 

Blühstreifen am Wegrand

Farbenfroh blühende Wegränder, Verkehrsinseln und Begleitsäume aus heimischen Pflanzen stellen ökologisch wertvolle Oasen im Gemeindegebiet dar, bereichern das Ortsbild und erzeugen positive Emotionen und Lebensfreude.

Dies wird im Pilotprojekt der Vorarlberger Gemeinde Rankweil, welches vom Biologen und Autor Dr. Reinhard Witt begleitet wird, eindrucksvoll bestätigt. Die angelegten Blühstreifen aus Wildpflanzen beherbergen eine hohe Zahl an Wildbienen, es wurden sogar Arten nachgewiesen, die bereits als ausgestorben galten! Denn im Gegensatz zu exotischen Pflanzen bieten Wildpflanzen Nahrung und Lebensraum für eine Vielzahl an Tieren. So ermöglicht die Anlage von Blühstreifen mit Samen möglichst gebietstypischer und naher Herkunft einen Rückgewinn an Artenvielfalt. Zudem erweist sich die Pflege solcher Blühflächen als weniger aufwändig und insgesamt kostengünstiger im Vergleich zu konventionellen Blumenbeeten. Naturnah statt naturfremd – ein Gewinn in jeder Hinsicht!

Die Tiroler Umweltanwaltschaft ist bemüht, Tiroler Gemeinden für neue Möglichkeiten der Gestaltung von nachhaltigen, über Jahrzehnte farbenreichen Blühstreifen mit Wildpflanzen im Öffentlichen Grün zu interessieren und sie bei der Umsetzung fachlich zu unterstützen. Ziel ist die Schaffung von ökologisch wertvollen kleinflächigen Blühstreifen im Gemeindegebiet, die wie blühende Brücken einen Beitrag zur Erhaltung der Artenvielfalt leisten und Lebensfreude versprühen. Interessierte werden dazu eingeladen, sich unverbindlich mit Stefanie Pontasch in Verbindung zu setzen. 

Einsaat einer Wildblumenwiese

Ein Blühstreifen kann auch zu Hause im Garten angelegt werden. Nachfolgend finden Sie Tipps, wie eine solche Anlage am besten durchgeführt wird. Bei der Anlage einer Blumenwiese sind zwei Faktoren für den Erfolg entscheidend: die Bodenvorbereitung und das Saatgut. Achten Sie darauf, dass das Saatgut aus nächstmöglicher Nähe kommt und auf den Standort und die klimatischen Verhältnisse abgestimmt wird.

Bodenvorbereitung

Wichtig ist ein offener Boden, damit die jungen Keimlinge genügend Raum und Licht bekommen. Die folgenden Tipps von Dr. Reinhard Witt zur Bodenvorbereitung können hier nachgelesen werden.

Vegetationsfreie Flächen:

  • Auf Kies, Schotter oder Sand kann unmittelbar nach Aufbringen einer Kompostschicht (2 cm Grünkompost höchster Qualität) eingesät werden.

Vegetationsreiche Flächen:

Vorhandene Vegetation sollte vor dem Einsäen entfernt werden. Die Methode der Wahl hängt von der Größe der Fläche, dem Zugang zu Maschinen und der Vorbelastung mit unerwünschten Kräutern ab.

  • Abtragen der Rasenschicht bei unkrautfreien Böden. Die Rasenschicht wird mitsamt den Wurzeln entfernt. Dazu werden entweder per Hand mit einem Spaten (für kleine Flächen) oder mit einem Bagger (für größere Flächen) die Rasensoden abgestochen und abgezogen.
  • Zerstörung der Vegetationsschicht bei unkrautfreien Böden. Die Vegetation wird durch mehrfaches Fräsen zerstört und durch Abrechen entfernt.

Besonders nährstoffreiche oder sehr lehmige, verdichtete Böden können nun mit Sand vermischt und dadurch abgemagert werden. Hier wird empfohlen, etwa 5 – 10 cm Sand in die oberen 20 cm Boden einzuarbeiten.

  • Burri-Methode bei nährstoffreichen und unkrautbelasteten Böden. Die Vegetation wird zerstört (durch Bodenfräse, Pflug, Grubber, Spatenmaschine; Bearbeitungstiefe 15 – 20 cm) und entfernt. Dieser ersten Tiefenbearbeitung (im September vor dem Aussaatjahr bis spätestens Februar im Aussaatjahr) folgen mehrere oberflächliche Bearbeitungen. Man lässt die Unkräuter wiederholt aufkeimen und jedes Mal, wenn die Fläche wieder grün ist, wird die Vegetation erneut zerstört und entfernt. Nach der letzten Bodenbearbeitung lässt man das planierte Saatbett drei Wochen lang ruhen, damit sich der Wasserhaushalt wieder einstellen kann. Die Einsaat in die aufgeraute Bodenoberfläche erfolgt dann zwischen Ende April bis spätestens Mitte Juni.

Insel- und Streifensaat-Methode:

Die Insel- und Streifensaat-Methode bietet eine überschaubare Möglichkeit, eine größere Wiese in ihrer Artenvielfalt aufzuwerten. In bestehenden Wiesen werden kleine Inseln (etwa 1-2 m2) oder Streifen (etwa 3 m) wie oben beschrieben vorbereitet und mit Wildblumenarten angesät. Die Wildblumen breiten sich in Folge mit einer Rate von etwa 1 m pro Jahr in der Wiese aus. Mehr dazu hier.

Zeitpunkt der Einsaat:
  • Generell zwischen März und September unter Beachtung von Frösten.
  • Bei Anwendung der Burri-Methode nur zwischen Ende April bis spätestens Mitte Juni.
Empfehlungen für Saatgut von Wildpflanzen

Viele herkömmliche Saatgut-Mischungen enthalten nicht-heimische Pflanzen oder Zuchtformen. Solche Mischungen sollten vermieden werden, da exotische Pflanzen nur wenigen heimischen Tieren Nahrung bieten und der Einfluss auf die heimische genetische Vielfalt nicht abgeschätzt werden kann.

Wildpflanzen sind Blumen und Gräser, die bei uns heimisch sind, und sich über unzählige Generationen hinweg an einen bestimmten Standort angepasst haben. Daher ist es bei der Wahl des Saatgutes wichtig darauf zu achten, dass dieses Samen gebietstypischer Wildpflanzen aus möglichst gebietsnahem (regionalem) Anbau, enthält.

REWISA (Regionale Wildpflanzen und Samen) steht für heimische Pflanzenvielfalt mit Gütesiegel. Mit über 20 Mitgliedsbetrieben in Oberösterreich, Niederösterreich, der Steiermark und Kärnten bietet Rewisa eine Vielzahl an regionalen Wildpflanzensamen, Wildpflanzen und Wildgehölzen an. Der Anbau und die Ernte der Wildpflanzen erfolgt in einem von 10 unterschiedlichen naturräumlichen Großeinheiten, die sich hinsichtlich Geologie, Geomorphologie sowie der dort vorkommenden Arten und Lebensräumen unterscheiden (zB Kalkalpen West, geeignet für Standorte nördlich des Inns; Zentralalpen, geeignet für Standorte südlich des Inns).

Bezugsquellen für REWISA-zertifiziertes Saatgut sind:

Voitsauer Wildblumensamen (DI Karin Böhmer, Voitsau 8, 3623 Kottes-Purk)

Kärntner Saatbau GenmbH (Krassnigstraße 45, 9020 Klagenfurt)

Eine vollständige Auflistung aller Betriebe, die REWISA-zertifizierte Samen, Pflanzen und Gehölze vertreiben, finden sie auf der homepage von REWISA.

Samen von Wildpflanzen, die in der Region „Alpen und Alpenvorland“ im süddeutschen Raum produziert werden, können aufgrund der naturräumlichen Ähnlichkeit auch in den Nördlichen Kalkalpen eingesetzt werden.

Bezugsquellen für hochwertiges Saatgut aus dem Alpen- und Alpenvorland innerhalb Deutschlands sind:

Rieger-Hofmann ® GmbH (In den Wildblumen 7-11, D-74572 Blaufelden-Raboldshausen)

Syringa Duftpflanzen und Kräuter (Brigitte Dietrich, Untere Gräben 1 (Gärtnerei), Bachstraße 7 (Büro), D-78247 Hilzingen-Binningen)

Viel Erfolg beim Anlegen einer artenreichen Blühfläche!

Quellen

Witt, Reinhard: Natur für jeden Garten. 10 Schritte zum Natur-Erlebnis-Garten. Planung, Pflanzen, Tiere, Menschen, Pflege. Das Einsteiger-Buch. Naturgarten Verlag Ottenhofen, 2. Auflage 2015

Witt, Reinhard: Nachhaltige Pflanzungen und Ansaaten. Kräuter, Stauden und Sträucher. Für Jahrzehnte erfolgreich gärtnern. Naturgarten Verlag Ottenhofen, 4. Auflage 2015

Witt, Reinhard: Die Ökoflächen der Gemeinde Haar. Investitionen in nachhaltige Artenvielfalt. Ein naturnahes Pflegekonzept von Dr. Reinhard Witt. 2011

www.wildblumenburri.ch

 

Weitere Informationen

 

 

 

 

 

 

 

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