Tierschutz: Die Tiroler Umweltanwaltschaft unterstützt die Forderungen nach besseren Kontrollen der Tiertransporte

 

Die Tiroler Umweltanwaltschaft setzt sich für den Schutz der Umwelt und hier insbesondere der Natur- und Kulturlandschaft mit ihren Lebewesen ein. Teil der Umwelt sind auch alle Tierarten, geschützte und auch andere wie Nutztiere für die Nahrungsmittelproduktion, wobei der Schutz der Nutztiere nicht in den genuinen Aufgabenbereich der Umweltanwaltschaft fällt. 

Wir vertreten jedoch  die Meinung, dass unnötiges Tierleid, welches gerade im Zusammenhang mit Tiertransporten immer wieder verursacht wird und in vielen Fällen bis zur Tierquälerei ausarten kann, nicht mehr länger toleriert werden soll. Umweltschutz umfasst aus einem ganzheitlichen Gesichtspunkt betrachtet nicht nur geschützte Arten, Schutzgebiete und Sonderstandorte, sondern er kann zum Wohle des Gemeinwesens nur funktionieren, wenn auch gegenüber allen Tieren die ethischen Grundsätze zum Tierwohl eingehalten werden. Einer davon ist das Wohl von Nutztieren unter anderem im Zuge von Tiertransporten. 

Der österreichische Tierschutzrat und die Tierschutz-Ombudspersonen der Bundesländern beschäftigen sich als ExpertInnen schon seit Jahren mit dem Thema Tiertransporte und plädieren ua. für strengere Auflagen und bessere Kontrollen bei der Abwicklung der Transporte, vor allem wenn diese in Nicht-EU-Länder gehen (was immer mehr der Fall ist). 

Dankenswerterweise gibt es auch viele couragierte NGOs, die sich dieses Problems angenommen haben. Der „Verein gegen Tierfabriken“ (VGT) hat recherchiert und auf seiner Homepage folgende Daten veröffentlicht, die wir hier zur Präzisierung der Problematik noch einmal wiedergeben wollen:

Österreich exportiert jährlich zirka 120.000 Rinder, 30.000 Schweine, 10.000 Hühner, 10.000 Puten, 15.000 Schafe und Ziegen und 2.000 Pferde, viele davon über die EU-Grenze hinaus. Zuchtrinder werden zu fast 70 % in Drittländer transportiert. Die meisten landen in der Türkei, Aserbaidschan, Usbekistan und seit April 2016 auch im Iran. Die Exportzahlen von Zuchtrindern sind mit 25 – 40.000 Tieren besonders hoch. Österreich ist damit - gemessen an seiner Rinderpopulation - der größte Exporteur von Zuchtrindern in ganz Europa.

Der Grund, weshalb es für diese Rinder in Österreich keinen Platz gibt, hat auch mit einer gewinnorientierten Milchproduktion zu tun: Kälber gelten als „Abfallprodukte“ der Milchindustrie. Damit eine Kuh ständig Milch produziert, muss sie regelmäßig befruchtet werden und  gebären. Für die „überschüssigen“ überwiegend männlichen Kälber gibt es in Österreich dann keinen Bedarf. Deshalb werden jährlich zirka 80.000 Kälber oft sogar noch in der Säugungsphase von ihren Muttertieren getrennt und nach Italien und Spanien oder noch weiter transportiert, oft ohne geeignete Wasser- und Nahrungsversorgung und bei extremen Temperaturen (vgl. HP VGT). 

Die rechtliche Grundlage von Tiertransporten innerhalb der EU wird durch die Verordnung (EC) Nr. 1/2005 vom 22.12.2004 geregelt und enthält verpflichtende Mindestanforderungen für das Wohlergehen der Tiere während des Transports, wie zB. die Maximaldauer des Transports, ausreichend Bodenfläche und Standhöhe im Transportfahrzeug, die richtige Versorgung und Verpflegung der Tiere unterwegs, etc. 

Nach einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs im April 2015 gelten die EU-Tiertransport-Vorschriften (C-424/13) auch über die EU-Grenze hinaus. Demnach müssten die oben genannten Mindestanforderungen auch in Drittländern erfüllt werden. In der Praxis wird die Verordnung aber schon in der EU oft ignoriert, weil die Vorschriften zu lasch und zum Teil gar nicht umsetzbar sind. Insbesondere mangelt es aber an einem engmaschigen und effizienten Kontrollnetz.

Außerhalb der EU ist die Überprüfbarkeit praktisch unmöglich. Außerdem gibt es oft keine Informationen über die weitere Verwendung der Tiere, wenn diese einmal ihren Zielort erreicht haben. Dass dort die bei uns geltenden tierschutzrechtlichen Mindeststandards eingehalten werden, darf bezweifelt werden. Dies haben Recherchen des VGT, dessen MitarbeiterInnen Tiertransporte begleitet haben, eindeutig belegt.

Bei näherer Betrachtung der Tiertransportproblematik offenbart sich wie in so vielen anderen Produktions– und Dienstleistungssektoren, dass auch hier ein kapitalistisches System vorherrscht, das getrieben ist vom Streben nach Gewinnmaximierung und einer völligen Ignoranz dafür, dass es sich bei den Tieren um Lebewesen mit sozialen Beziehungen und vor allem Schmerzempfinden handelt.  

Die unhaltbaren Zustände in manchen Bereichen der Nutztierwirtschaft sind auch jenen KonsumentInnen geschuldet, die nur auf Billigstprodukte zurückgreifen, ohne darüber nachzudenken, dass Fleisch aber auch Milchprodukte von gequälten Tieren, auch wenn sie noch so billig sind, der Gesundheit der KonsumentInnen langfristig sehr schaden können.

Abschließend sei noch einmal ausdrücklich festgehalten, dass hier nicht die landwirtschaftliche Produktion im Generellen kritisiert wird, denn es gibt genügend Bäuerinnen und Bauern, die um ihre Tiere bemüht sind und hervorragende Nahrungsmittel produzieren. Allerdings muss in Zeiten, wo gerade auch in Tirol die Bevölkerung unter der hohen Verkehrstransitbelastung leidet, die Frage erlaubt sein, ob es noch irgendeine Notwendigkeit gibt, lebende Tiere quer durch die „halbe Welt“ zu transportieren, oder ob es nicht zielführender wäre - wenn überhaupt Fleisch konsumiert werden muss - die Tiere zum nächstgelegenen Schlachthof zu fahren oder noch besser mobile Schlachteinrichtungen, die zu den Bauernhöfen kommen, wie in Bayern schon der Fall, zu beanspruchen.

Wir plädieren daher für die stärkere Wahrnehmung unser aller Verantwortung für einen behutsamen Umgang mit der Natur einschließlich aller Lebewesen. Denn letzten Endes hat der Umgang mit unseren Nutztieren nicht nur Auswirkungen auf unsere Gesundheit und unsere Gesellschaft, sondern auch - auf einer nicht-wirtschaftlichen  Ebene - auf das Wohlbefinden und Zusammenleben von Mensch und Tier.

Anbei noch eine Zusammenfassung der rechtlichen Bestimmungen zu den Tiertransporten. Regelungen gäbe es also schon. Aber ohne effiziente Kontrolle verkommen sie zu euphemistischen Papiertigern.

"Ausgerechnet der Mensch ist unmenschlich" (Thomas Bernhard)