Bedenkliche Entwicklungen

Wenngleich die Bilanz der Tiroler Umweltanwaltschaft zu den Entwicklungen der Jahre 2015 und 2016 vorwiegend positiv ausfällt, sind laut Landesumweltanwalt Johannes Kostenzer dennoch einige bedenkliche Tendenzen auszumachen. So ist zu bedauern, dass eine zukunftsweisende Novelle des Tiroler Naturschutzgesetzes in den vergangenen Jahren nicht zum Abschluss gekommen ist.

Der Landesumweltanwalt verweist auf das Beispiel Seminarhotel Obernberger See, wo das bestehende Gesetz nicht so greifen konnte, wie es sich viele BürgerInnen gewünscht hätten. Denn da, wo das Einzelinteresse eines Hoteliers mehr wiegt, als ein dreifacher gesetzlicher Schutz, wäre es wichtig, eine zeitgemäße Grundlage zur Bewertung des öffentlichen Interesses zu schaffen und in das Tiroler Naturschutzgesetz aufzunehmen.

Auch die Intensivierung der Landwirtschaft in den letzten Jahren bis hinauf in die Almregionen sieht Johannes Kostenzer kritisch, bedeutet diese nämlich einen Verlust von Vielfalt -  sowohl von Arten, als auch von Landschaftsstrukturen. Hier gibt es von Seiten der Tiroler Umweltanwaltschaft die Zukunftsvision von Tirol als „Bio-Region“. Es ist unbestritten, dass die biologische Landwirtschaft einen ungleich besseren Output in Sachen Biodiversität hat, als die konventionelle und zudem auch Tierschutzinteressen verstärkt berücksichtigt.

Im Bereich der  Tourismuswirtschaft wird derzeit versucht, kontinuierlich mit neuen Skipisten und Aufstiegshilfen in bisher unerschlossene Gebiete vorzudringen.

Diese Bestrebungen muten angesichts der Klimaerwärmung grotesk an. Gehen doch diese Erweiterungen auf Kosten von nicht wiederherstellbaren Landschaften und Lebensräumen. Neue Pisten brauchen mehr Kunstschnee in der Folge mehr Wasser und Energie für die Schneeanlagen und sie verursachen auch zusätzliche Bodenversiegelungen sowie zusätzliche Eingriffe in die hydrologischen Abflussverhältnisse. Die Natur ist auch hier nicht zu übertreffen. Nichts speichert Niederschlagswässer besser als z.B. ein intakter Wald oder eine Zwergstrauchheide.

Modernisierungen und somit Qualitätsverbesserungen in den 81 bestehenden Schigebieten sind ein nachvollziehbares Anliegen, sofern dabei die Seilbahn- und Schigebietsgrenzen eingehalten werden.

Nicht mehr akzeptabel sind jedoch die Versuche, schnell noch durch neue Erschließungen bisher unversehrter Gebiete zu Lasten künftiger Generation einen unwiederbringlichen Naturverlust in Kauf zu nehmen. Auch Schigebietszusammenschlüsse verbrauchen und erschließen im Regelfall neue und unversehrte Naturräume, wie z.B. der anvisierte Schigebietszusammenschluss Kappl-St. Anton beweist.