Bioakustik - So klingt Natur

Eintauchen in den Klang des ecuadorianischen Regenwalds war am 10. Oktober anlässlich der Eröffnung des 16. Innsbruck Nature Film Festival im Leokino möglich. Im diesjährigen Eröffnungsfilm „Dusk Chorus“ erfüllte sich der Elektroakustik-Komponist David Monacchi einen Traum. Er wollte eine reine und vollständige 3D Klanglandschaft des verschwindenden ecuadorianischen Regenwaldes aufnehmen und begab sich dabei auf die Spuren des gefährdeten akustischen Erbes von Millionen von Jahren Evolution. Die ZuseherInnen konnten so in Innsbruck an dieser einzigartigen Hörerfahrung teilhaben.

Unter Bioakustik versteht man das Forschungsfeld der Tierstimmenforschung. Lautmerkmale können in der Evolutionsbiologie Hinweis auf Verwandtschaftsgrade geben, in der Verhaltensforschung auf Verhaltensweisen. Die Lauterzeugung bei Tieren erfolgt mit verschiedenen Körperteilen. Dass zB. eine Maus aufgrund des fehlenden „Klangkörpers“ nicht so tiefe Töne erzeugen kann wie ein Elefant ist eine physikalische Tatsache. Und damit beginnt schon ein Problem bei Tonaufnahmen in der Natur – nämlich möglichst alle Frequenzen von hoch bis tief möglichst unverfälscht aufzeichnen zu können. Dafür benötigt man sehr spezielle und sensible Mikrofone, um das ganze Spektrum der Tonwellen gleichmäßig darzustellen. Auch die Dokumentation der Aufnahmen ist sehr wichtig, um herauszufinden, ob Töne, also Tierlaute, nicht aufgenommen wurden weil sie nicht da waren, oder ob das technische Equipment es nicht vermochte, diese aufzuzeichnen.

Einer der führenden Experten bei der Erforschung von ursprünglichen Klanglandschaften in der Natur ist der Amerikaner Bernie Krause. Auf seinen weltweiten Reisen sammelte er in 45 Jahren über 15.000 Aufzeichnungen von Tierlauten und nahm in unberührten Naturlebensräumen so genannte Soundscapes (Klanglandschaften oder Klangbilder) von rund 4000 Stunden Abspieldauer auf. 1983 hatte er in Kenia im Naturschutzgebiet Massai Mara ein Schlüsselerlebnis: „Damals wurde mir bewusst, dass das überhaupt kein wildes Durcheinander war! Was ich zu hören bekam, war ein elegantes Zusammenspiel der Klänge, ein orchestriertes Arrangement der Laute von Insekten, Fröschen und Kröten; von Tüpfelhyänen, Uhus, afrikanischen Waldkäuzen, Elefanten, Baumschliefern und in der Ferne brüllenden Löwen. Jede einzelne Stimme, so erschien es mir, hatte genau ihren richtigen Platz in der akustischen Bandbreite, in diesem feinen Gewebe aller Frequenzen.“

Viele Jahre später hat nun also David Monacchi ein „Soundscape“ erschaffen und auf außergewöhnliche Weise ein Archiv des Regenwalds begonnen, das hoffentlich auch weiterhin in seiner Vielfalt auch in der Natur anzutreffen ist.

Weitere Informationen zum Film über David Monacchi: link

Zur Arbeit von Bernie Krause: link