Seltene Ackerwildkräuter in Tirol

Ackerwildkräuter wie beispielsweise Feld-Rittersporn, Kornblume und Venus-Frauenspiegel sind Pflanzen, die sich im Laufe der Zeit an die Gegebenheiten und die Pflege eines Ackers angepasst haben. Ab der Nachkriegszeit kam es allerdings zu einem drastischen Rückgang der Getreide-Anbauflächen in Tirol und damit auch der Ackerwildkräuter. Ungefähr ein Drittel der bekannten Arten in Tirol gilt heute als gefährdet.

Susanne Wallnöfer, Botanikerin und ehemalige Dozentin an der Universität Innsbruck, hat Kartierungen im Wipptal durchgeführt und konnte 26 wildlebende und gefährdete Arten nachweisen. Es handelt sich meist um eher kleinwüchsige Arten, wodurch keine Beeinträchtigungen für den Ernteertrag des angebauten Getreides entstehen.

Susanne Wallnöfer hat Stefanie Suchy, die Koordinatorin der Initiative "Alter Tiroler Getreidesorten", im Sommer 2019 zwei Tage auf den Getreidefeldern im Raum Innsbruck begleitet. In Tulfes konnte sie die in Tirol als verschollen geltende Kornrade ausfindig machen. Diese Pflanze hat sich insofern an Getreide angepasst, als sie ähnlich große Samen ausbildet, die erst beim Dreschen aus der reifen Frucht freigegeben werden. Somit wurden die Kornrade-Samen mitgeerntet und wieder auf das Feld ausgebracht. Seit der Einführung der verbesserten Saatgutreinigung werden die Samen aussortiert, was zu einer verminderten Ausbreitung der Art führt. 

Das große Vorkommen in Tulfes erlaubte es Susanne Wallnöfer, Samen zu sammeln. Mit dem Projekt „Kornrade für den Garten“ soll das Vorkommen der Wildpflanze regional erhalten werden. Garteneigentümer im Großraum Wattens bis Innsbruck werden eingeladen, die einjährige Pflanze in Beeten zu kultivieren und somit zu deren Fortbestand beizutragen. Tagfalter und Bienen erfreuen sich ebenfalls der schönen Blüten, denn sie gelten als die Bestäuber der Kornrade.

Weitere Infos und Bezug unter Infoblatt „Kornrade für den Garten“.