Energieproduktion in Tirol: Ergebnisse für 2017

Seit mehreren Jahren analysiert die Tiroler Umweltanwaltschaft die energie-wirtschaftlichen Aspekte der Stromproduktion in Tirol und stellt die Ergebnisse auf ihrer Homepage der Öffentlichkeit zur Verfügung. Die notwendigen Daten werden dazu von der Statistik Austria und von E-Control übernommen, analysiert und zu einer objektiven Datenbasis zusammengeführt, auf die die Umweltanwaltschaft in ihrer weiteren Arbeit zurückgreifen kann. Sie können diese Ergebnisse hier einsehen.

Zu den wichtigsten Ergebnissen des Jahres 2017 zählt die Tatsache, dass in Tirol über das Jahr gesehen wieder ein Stromüberschuss produziert wurde: es wurden 6.909 Gigawatt- Stunden Strom produziert und 6.472 Gigawatt-Stunden verbraucht. 

Diese Tatsache ist vor allem in Hinblick auf die von der Tiroler Landesregierung zum Ziel gesetzte Energieautonomie 2050 erfreulich. Kritisch sieht die Tiroler Umweltanwaltschaft mögliche negative Auswirkungen von Wasserkraftwerken auf die Tiroler Fließgewässer. Denn neben den 24 großen Kraftwerken der TIWAG als zentraler Energieversorger gibt es in Tirol weitere 856 Kleinkraftwerke, die von privaten Unternehmen oder Gemeinden betrieben werden. Insgesamt existieren in Tirol damit zahlreiche Kraftwerksstandorte, die über das ganze Bundesland verteilt sind und sich nicht nur an Flüssen, sondern auch an kleineren Bächen- viele davon durchaus schützenswerte Fließgewässer- befinden. Zusätzlich zeigt sich eine hohe Diskrepanz zwischen der hohen Anzahl an Kleinkraftwerken und deren geringer Stromausbeute. Denn während 2017 ca. 75 % der Stromproduktion durch die 24 großen Kraftwerke der TIWAG geleistet wurden, produzierten die 856 Kleinkraftwerke insgesamt nur ca. 7 % des gesamten Stroms in Tirol. Die Auswirkungen dieser vielen kleinen Kraftwerke auf die Lebensraumqualität von Fluss- und Bachläufen ist hingegen groß. Vor allem Gewässerstrecken, die sich durch bestimmte Tier- und Pflanzenarten, aber auch durch besonders charakteristische Landschaftsräume (etwa hochalpine Mäander- Schlucht- oder Kaskadenstrecken) auszeichnen, sollten von einer Kraftwerksnutzung ausgespart sein.

Aus Sicht der Umweltanwaltschaft ist es durchaus sinnvoller, die Stromproduktion durch wenige große Kraftwerke sicherzustellen, an welchen in den meisten Fällen auch höhere langfristige öffentliche Interessen bestehen als an einer kleinen Wasserkraftanlage. In erster Linie aber ist die Einsparung des Energieverbrauches zu forcieren. Und in Bezug auf große Kraftwerksanlagen muss natürlich berücksichtigt werden, dass auch durch sie massive Eingriffe in die Natur zu erwarten sind. Daher legt die Umweltanwaltschaft größten Wert darauf, dass diese Eingriffe durch adäquate Maßnahmen ausgeglichen, kompensiert bzw. herabgemindert werden. 

Auch aus touristischer Sicht ist die Bewahrung unserer Flusslandschaften von großer Bedeutung, denn viele charakteristische Landschaftsräume in Tirol werden ganz wesentlich von den Fließgewässern bestimmt. Psychologische Untersuchungen zeigen einen starken Zusammenhang zwischen Landschaft und Wohlbefinden des Menschen. Unbeeinträchtigte Gewässer in einer intakten Naturlandschaft weisen dabei einen besonders hohen Erholungswert auf. Nicht zuletzt deshalb ist es für die Tiroler Umweltanwaltschaft unabdingbar, die noch verbliebenen nahezu unbeeinträchtigten Gewässerstrecken auch für die nachkommenden Generationen zu erhalten, damit auch sie sich an einem schönen Gebirgsbach etwa erholen können.

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