„Landschaft im Alpenraum“ – kurzes Resümee der Tagung

Die Landschaft hat viele Facetten: sie fungiert nicht nur als Wirtschafts- oder Agrarraum, sondern ist auch unser Erholungs- und Kulturraum. Landschaft ist also vor allem Lebensraum. Dass unsere Landschaftsumgebung auch unser Bewusstsein stark prägt und auf unsere Stimmungslage wirkt, ist längst durch wissenschaftliche Studien belegt. Dazu gehört die gebaute Umgebung genauso wie die unberührte Naturlandschaft. Es ist daher nur logisch, dass Fragen des zukünftigen Zusammenspiels von Mensch und Landschaft - wie etwa der Erhalt von Kulturdenkmälern oder Maßnahmen gegen den rasant steigenden Bodenverbrauch - gemeinsam mit ArchitektInnen, UmweltvertreterInnen und Wirtschaftstreibenden diskutiert werden muss, um neue Strategien gemeinsam zu entwickeln. Genau das geschah bei der Tagung “Zwischen Almen und Metropolen. Landschaft im Alpenraum”, die der Verein Tiroler Heimatpflege in Kooperation mit der Tiroler Umweltanwaltschaft und dem Bundesdenkmalamt Mitte April in Innsbruck veranstaltete. 

Das Programm beinhaltete neben zahlreichen Vorträgen von internationalen ExpertInnen auch eine Exkursion ins Wipptal und einen Vortrag von Tarek Leitner im aut. architektur und tirol. Die Veranstaltung richtete sich an ein breites Fachpublikum und beinhaltete sowohl wissenschaftliche als auch praktische Zugänge zu Landschaft. Ein zentraler Aspekt galt der Landschaft als „ästhetisches Ganzes“. Hier ging es vor allem um das Aufzeigen von in Tirol noch bestehenden besonderen Landschaftsräumen aus baukulturellem Erbe und Kulturlandschaft, zu dem die Kulturabteilung des Landes mit Karl Wiesauer kürzlich ein Projekt gestartet hat, das solche Ensembles erfassen und ein Bewusstsein zur Erhaltung dieser schaffen soll. Aber auch über psychologische Aspekte der Wahrnehmung von Landschaft und deren emotionales Wesen wurde nachgedacht. Schließlich stand Landschaft als vielfältiger Wirtschaftsfaktor im Fokus der Betrachtungen.  

Die regen Diskussionen mit dem zahlreich erschienenen Publikum zeigten, dass ein Diskurs zum Thema dringend notwendig ist. Denn vor allem die in der Tagung ausgeführten praktischen Beispiele haben gezeigt, dass die gesetzlichen Vorschriften in Tirol bezüglich Bebauung und Landschafts- bzw. Denkmalschutz zwar durchaus zufriedenstellend sind, der sektorale Zugang aber oft nicht ausreicht, um das Bewahren solcher besonderen Ensembles sicherzustellen. Ausschlaggebend für eine gute Entwicklung ist oft vielmehr die Kommunikation mit den jeweiligen GrundstücksbesitzerInnen sowie den verschiedenen ExpertInnen, die es zum Finden eines gemeinsamen Konsenses unbedingt braucht. Die Schweiz könnte in diesem Zusammenhang als gutes Vorbild für Tirol herangezogen werden - wie der bemerkenswerte Vortrag von Benno Furrer gezeigt hat.