Neophyten...

„Neu-Pflanzen“ sind Pflanzen, die nicht in einem bestimmten Gebiet ursprünglich sind, sondern durch die Einwirkung des Menschen nach der Entdeckung Amerikas (1492) und einer damit einhergehenden Verstärkung des Welthandels eingewandert sind. Bereits in der Jungsteinzeit und durch den Handel der Römer sind gebietsfremde Pflanzen zu uns gekommen. Diese werden als Archäophyten („Alt-Pflanzen“) bezeichnet. Von diesen beiden Gruppen abzugrenzen sind die einheimischen Arten. Sie haben das Land nach der letzten Eiszeit aus „eigener Kraft“ besiedelt. 

Tirol beherbergt ca. 2.400 Pflanzenarten, darunter etwas mehr als 500 Neophyten. Der Großteil tritt unbeständig auf, 20 % haben sich etabliert. Zu diesen zählen auch jene invasiven Arten, die sich in einem Gebiet massiv ausbreiten.

Während sich die meisten Neophyten ohne weitere Schwierigkeiten in die heimische Pflanzenwelt eingliedern, gibt es eine kleine Anzahl von invasiven Neophyten, die für heimische Arten problematisch sind. In Tirol sind rund 15 solcher Arten erfasst, die ökonomische, gesundheitliche oder ökologische Schäden verursachen können. 

Ein Beispiel dafür ist die seit einigen Jahren beobachtbare massive Ausbreitung des „Drüsigen Springkrauts“, einer aus Asien importierten Art, die vor allem entlang von Gewässern oder in feuchten Mulden wächst. Überall dort, wo das „Drüsige Springkraut“ erfolgreich austreibt, werden andere Arten durch die vollständige Bodenbedeckung des Springkrauts mit seinem dicken Blattwuchs verdrängt. Problemtisch ist die rasche Ausbreitung solch invasiver Arten besonders für ohnedies bedrohte Biotope oder andere sensible Lebensräume.

Manche Neophyten sind sogar für den Menschen gesundheitsgefährdend. Der Riesenbärenklau aus der Familie der Doldenblütler zum Beispiel beinhaltet ein Gift, das erst in Kombination mit Sonnenlicht wirksam wird und extreme Verbrennungen auf der Haut hervorruft.

Effektive Möglichkeiten zur effektiven Bekämpfung von invasiven Neophyten gibt es kaum. Jede Art erfordert eine eigene Anti-Ausbreitungsstrategie. Zur langfristigen Beseitigung des Staudenknöterichs beispielsweise sind im Schnitt sieben Jahre notwendig, in denen man konsequent die Wurzeln der Pflanze entfernen oder abdecken muss, um einen Neuaustrieb zu verhindern.

In Tirol wird die Ausbreitung von Neophyten vor allem durch die diesbezüglich mangelnde Regelung von Bodenaushub-Deponien begünstigt. Denn in einem offenen Boden keimen und verbreiten sich invasive Arten besonders gut. Während in Deutschland hier strenge Auflagen zur Anwendung kommen, sind solche Maßnahmen in Österreich bisher nicht ausreichend gesetzlich geregelt.

Detaillierte Informationen zu den gebietsfremden Pflanzenarten in Tirol und ihren Auswirkungen auf Mensch und Umwelt finden Sie in Tirol bei der Anlaufstelle für invasive Neophyten am Institut für Botanik in Innsbruck.