Strittiger asphaltierter Radweg über Buckelwiesen am Ufer des Pillersees

Ort des Geschehens ist der Pillersee im idyllischen Pillerseetal in den nördlichen Kalkalpen auf 835 m Seehöhe. Entstanden durch einen Felssturz vor ca. 15.000 Jahren, der den Abfluss in Höhe der Öfenschlucht unterbrach und so den See aufstaute, ist er unter Anglern ob seines Forellenreichtums bekannt und auch ein Besuchermagnet für Erholungssuchende.

Der Tourismusverband und die Gemeinde St. Ulrich am Pillersee planen die Errichtung eines weiteren Radweges zusätzlich zum bereits bestehenden Weg im unmittelbaren Uferschutzbereich des Sees. Den bestehenden Weg können derzeit sowohl FußgängerInnen als auch RadfahrerInnen benützen, was nicht zuletzt aufgrund der gegenseitigen Rücksichtnahme aller WegnutzerInnen bisher gut funktioniert hat. Nun soll in diesem sehr sensiblen und wunderschönen Uferbereich ein zweiter, breiter asphaltierter Radweg errichtet werden. Dieser zusätzliche Radweg mündet nach wenigen 100 m wieder zurück in den Spazierweg, somit ist dann wieder Schluss mit der Entflechtung zwischen FußgängerInnen und BikerInnen. Dafür soll nun ein äußerst attraktiver Seeuferbereich mit Hutweiden und Lebensraum von geschützten Tier- und Pflanzenarten überbaut und versiegelt werden. Zusätzlich ist noch eine Beleuchtung für diesen Abschnitt vorgesehen. Beleuchtungen in derartig wertvollen Uferlebensräumen sieht die Tiroler Umweltanwaltschaft äußerst kritisch, da mit ihr negative Beeinträchtigungen für das Landschaftsbild einhergehen und zudem Schmetterlinge, Nachtfalter und andere wichtige bestäubende Insekten massiv beeinträchtigt werden könnten. Die Beleuchtung kann auch nachteilige Auswirkungen auf die übrigen Wildtiere haben. Durch ihren Betrieb und die daraus resultierende Präsenz des Menschen bis in die Nacht hinein werden zusätzliche Beunruhigungen für Wildtiere entstehen.

Im Zuge des naturschutzrechtlichen Bewilligungsverfahrens für das Radwegprojekt am Pillersee hat Landesumweltanwalt Johannes Kostenzer viel Zuspruch von der ansässigen Bevölkerung bekommen, die keinen Sinn in dieser zusätzlichen asphaltierten Radwegstrecke sieht und zudem weitere technische Infrastruktureinrichtungen auf dieser Seeseite nicht befürwortet. Die Tiroler Umweltanwaltschaft versteht sich auch als Sprachrohr jener Menschen, welchen im Zuge von naturschutzrechtlichen Bewilligungsverfahren keine Parteistellung zukommt und die eine hohe Sensibilität für den Schutz wertvoller Naturräume haben. Ganz im Sinne der Natur, die ihre Interessen nicht selbst einbringen kann aber auch im Sinne der Naturschutz affinen Bevölkerung, hat sich die Tiroler Umweltanwaltschaft nach eingehender Prüfung des naturschutzrechtlichen Bewilligungsbescheides entschlossen, diese Entscheidung zum Nachteil der Natur durch die nächste Instanz – das Landesverwaltungsgericht- prüfen zu lassen.