Starker Frost im Frühjahr...

...hat, wie zum Beispiel im heurigen Mai, oft massive Auswirkungen auf die Landwirtschaft. Warum führt Frost im Frühjahr eigentlich zu derart großen Schäden besonders an den Obst- und Weinkulturen?

Im Frühjahr starten die Bäume ihre „Pumpen“, d.h. es passiert ein ständiges Hinaufziehen von Wasser und Mineralstoffen aus den Wurzeln durch den Stamm hinauf in die Blätter. Gleichzeitig werden die Blüten gebildet. Bäume sind während der Austriebsphase, wenn sie also im vollen „Saft“ stehen und die Blüten gerade herausgekommen sind, besonders empfindlich gegen Spätfrost; bei frisch gesetzten Reben ist sogar ein Totalausfall möglich. So haben heuer die Weinbauern in der französischen Region Bordeaux, aber auch in anderen Regionen Europas durch die starke Kältewelle im Frühjahr große Ausfälle von bis zu 80% zu beklagen.

Die Schäden sind auf die dünne Haut der Zellen und Blüten zurückzuführen, die nicht sehr gut „isoliert“ sind. Das Wasser in diesen Zellen wird abgekühlt und es kommt zu Frost. Die Zellen frieren dann durch und platzen. Ausschlaggebend dafür ist oft auch die Lage: jene Bäume, die an einem Hang stehen, haben bessere Chancen als die, die am Fuß des Hanges ihren Platz haben. Denn kalte Luft steigt ab und sammelt sich in Bodennähe im Tal.

Es gibt mehrere Varianten, wie man die Pflanzen vor dem Frost schützen kann. Zum Beispiel mit Feuer und das damit einhergehende Erzeugen von Rauch. Dadurch kann man eine schützende Nebeldecke über die Obst/Weingärten legen. Eine andere Variante ist, die Pflanzen mit einem Wasserfilm zu benetzen, der dann friert und so die Blüten vor der Kälte schützt. Eine weitere Methode ist die Abdeckung. Mit verschiedenen Abdeckmaterialien über den Rebstock wird versucht, eine Hemmung der Wärmeverluste durch Abstrahlung und/oder Konvektion zu erreichen. Diese Methode ist jedoch sehr arbeitsaufwendig und kann daher nur auf kleinen Flächen angewendet werden. Es gibt noch einige andere Methoden, schlussendlich helfen fast alle nur im Falle einer kurzen Frostphase. Dauert sie länger, dann stehen die Chancen auf Rettung eher schlecht.

Ob solche Spätfrosteinbrüche auf den Klimawandel zurückzuführen sind, lässt sich nicht vorhersagen. Fest steht, dass es solche Phasen in der Vergangenheit immer wieder gegeben hat. Denken wir nur an die Eisheiligen – auf die ist nämlich schon seit langer Zeit Verlass.