Sedimentmanagement von Kraftwerksspeichern – ist die Wasserkraft wirklich „sauber“?

Der Umgang mit Sedimenten, die sich in Speicherbauwerken und Staustrecken unweigerlich ablagern, wurde jahrzehntelang zum überwiegenden Teil den BetreiberInnen der Kraftwerke überlassen und nur sehr vage Bestimmungen zum Schutz der Gewässer vorgeschrieben.
So ist es heutzutage rechtlich immer noch möglich, dass der Gerlosspeicher aufgrund alter wasserrechtlicher Genehmigungen jährlich im Herbst geleert werden kann, und anschließend die abgelagerten Feinsedimente mit einer Schubraupe dem Bach zugegeben werden können. Damit erspart man sich zwar das Ausbaggern des Speichers, löst aber derart hohe Schwebstoffbelastungen aus, dass Fische buchstäblich am mitgeführten Schlamm „ersticken“. 
Ein solches „Sedimentmanagement“ ist für die Tiroler Umweltanwaltschaft weder am Stand der Technik noch steht es im Einklang mit tierschutzrechtlichen und artenschutzrechtlichen Bestimmungen.

In jüngerer Zeit gibt es aber auch zunehmend positivere Beispiele im Umgang mit diesen Sedimenten – so werden verschiedenste Maßnahmen entwickelt und auch umgesetzt, um die Auswirkungen von Spülungen und Sedimentzugaben an die Gewässer unterhalb von Kraftwerksspeichern zu vermindern oder gar zu vermeiden. Als solche Maßnahmen sind beispielsweise die Saugbaggerung (also das Ausbaggern von Speicherteichen mittels Saugbagger vom Schiff aus) und das geschützte Durchleiten klaren Bachwassers durch den Stauraum während der Baggerarbeiten (meist mittels Holzkonstruktionen, sogenannten „Fludern“) zu nennen. 
Zudem ist ein begleitendes Monitoring und ökologisch optimiertes Management (unter Anderem kontinuierliche Messung der Schwebstoffbelastung, entsprechende Maßnahmen bei Überschreitung von Richtwerten, „Klarwassertage“ ohne Sedimentbelastung, an denen sich die Lebewelt der belasteten Fließgewässer wieder erholen kann, etc.) unerlässlich, um die Schwebstoffbelastung gerade noch verträglich zu gestalten und katastrophale Ereignisse zu verhindern.

Die für heuer geplanten Maßnahmen im Bereich des Längentalspeichers und Finstertalspeichers sind als solche positiven Beispiele zu nennen, da Belastungen des unterhalb abfließenden Stuibenbaches durch verschiedenste Maßnahmen (z.B.: Errichtung einer Ringleitung zur Einleitung von Klarwasser unterhalb des Speichers, differenziertes ökologisches Management während der Sedimententnahmen, etc.) minimiert und begrenzt werden.

Die Forderung der Umweltanwaltschaft nach Begrenzung der künstlichen Schwebstoff- und Feinsedimentbelastung unserer Fließgewässer durch Wasserkraftwerke ist einfach – Belastungen der Lebewelt sind am Stand der Technik bestmöglich zu vermeiden bzw. zu vermindern und sind „letale Dosierungen“ von Feststoffzugaben behördlich zu verbieten und damit zu verhindern.
Diese Forderung umfasst alle energiewirtschaftlichen Nutzungen an unseren Fließgewässern – egal ob eine alte wasserrechtliche Bewilligung vorliegt oder es sich um eine neues Vorhaben handelt.

Die von der Tiroler Umweltanwaltschaft in Auftrag gegebene Studie zum ökologisch optimierten Speichermanagement am Gepatschspeicher ist dabei beispielhaft für einen sorgsamen Umgang mit dieser Umweltproblematik zu nennen, vielleicht gelingt es ja, die Wasserkraft in Zukunft wieder ein bisschen „sauberer“ zu machen…..

Link zur Studie