Die Intelligenz der Pflanzen

Dass Pflanzen über Intelligenz verfügen könnten, wird wohl von einigen ins Reich der Esoterik abgetan oder belächelt. Die Intelligenz von Pflanzen wurde über Jahrtausende hin negiert – hier wäre der griechische Philosoph Aristoteles zu nennen, der einen großen Schnitt zwischen Tier und Pflanze gezogen und nur dem Tier Intelligenz zugeschrieben hat. Dies wurde über sehr lange Zeit hin so gesehen, bis Charles Darwin – bekannt durch seine Forschungen zur Evolution – ein großes Werk über die Intelligenz von Pflanzen geschrieben hat. Dieses ist völlig unbeachtet geblieben und erst jetzt, im Zuge der neurobiologischen Forschung, erhält diese Arbeit in weiten Teilen eine späte Bestätigung.

Der italienische Neurobiologe Stefano Mancuso liefert dazu aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse. Mancuso, ein international renommierter Pflanzenforscher, lehrt als Professor an der Universität Florenz und befasst sich in seinen Forschungen mit der Intelligenz von Pflanzen. Er hat einige sehr interessante Thesen aufgestellt, die in der Zwischenzeit wissenschaftlich bestätigt wurden. Dabei geht es darum, dass Pflanzen durchaus auch intelligente Wesen sind, die eine ganze Reihe von bewussten Entscheidungen treffen, um auf ihre Umwelt angemessen zu reagieren – und zwar so, wie es uns bei Tieren als Intelligenz verständlich ist. So besitzen Pflanzen natürlich kein Gehirn, aber wesentlich mehr Sinnesvermögen als wir Menschen oder Tiere. Neben lichtempfindlichen Zellen und einem Tastsinn besitzen sie u.a. auch die Fähigkeit, den Boden auf chemische Elemente und Feuchtigkeit hin zu beurteilen.

Insgesamt erläutert Mancuso in seinem Buch, dass die Intelligenz von Pflanzen ähnlich dem Internet aufgebaut ist: Nämlich, dass einzelne mit geringen Sinnesvermögen ausgestattete Zellen im Bereich der Wurzelspitzen sich millionenfach mit anderen Wurzelspitzen austauschen. Sowohl bei den Wurzelspitzen als auch beim Internet könnte man 90% des Bestandes entfernen und beides würde trotzdem funktionieren. Ähnlich dem menschlichen Gehirn geschieht das u.a. durch elektromagnetische Wellen –  aber auch über chemische Stoffe. Diese Wurzelspitzen sind in unglaublicher Anzahl vorhanden – eine Pflanze in der Größe eines Löwenzahns verfügt über ungefähr 13 Millionen – und miteinander vernetzt.

Die Wurzeln von Pflanzen können z.B. auch erkennen, ob andere Wurzeln in der Nachbarschaft nicht nur von der gleichen Pflanze sind, sondern auch genetisch von der gleichen Familie abstammen. Dieses Erkennen der genetischen Zugehörigkeit wurde wissenschaftlich untersucht und eindeutig bestätigt. Eine weitere Fähigkeit ist, dass ein von einem Schädling befallener Baum den Rest des Waldes darüber informiert. Das findet zum Teil wieder über die Wurzeln statt und zum Teil über chemische Stoffe.

Näheres zu diesem Thema finden sie unter anderem im Buch von Stefano Mancuso.

 

Buchtipp: Stefano Mancuso „Die Intelligenz der Pflanzen“, Kunstmannverlag München, 2015.