Skigebietserweiterung im Zeichen des Klimawandels – ein Paradoxon?

Es gibt wohl nur mehr wenige Menschen, die den voranschreitenden Klimawandel mit all seinen Folgen für die Umwelt bestreiten. In Tirol wird die Veränderung des Klimas unter anderem auch große Auswirkungen für den Winter- insbesondere für den Skitourismus haben. Der Rückgang von Gletscherflächen aber auch die Intensivierung und der weiter voranschreitende Ausbau der technischen Beschneiung belegen dies eindrücklich.

Trotzdem wollen einige Tourismusverantwortliche und SkigebietsbetreiberInnen diese Klimaveränderungen nicht wahrhaben und überbieten sich mit immer noch absurderen Plänen und Vorhaben, um die bestehenden Schigebiete zu vergrößern. Eines dieser Vorhaben ist das Projekt „8MGD Medrigkopfbahn mit Pisten“ in See im Paznauntal.

Zum Teil weit außerhalb der bestehenden Seilbahn- und Schigebietsgrenzen soll dort eine neue Aufstiegshilfe mit Pisten entstehen. Für die anvisierte Bergstation, den Ausstiegsbereich und die von dort abgehenden Pisten aber auch für einen Lawinenablenkdamm für die Talstation müssen massive Geländemanipulationen (über 100.000 m³ Abtragungen und andernorts Schüttungen) getätigt werden. Einerseits soll der Gipfelgrat teilweise abgetragen und dieses Material dann an anderer Stelle mittels Schüttungen aufgebracht werden, damit man sich die Naturlandschaft „schitechnisch adäquat" gestalten kann. Nach dem Motto „was nicht passt wird passend gemacht“. Felsköpfe, die nicht ins Konzept passen, sollen abgeschremmt werden. Durch die geplanten Maßnahmen werden geschützte Tier- und Pflanzenarten stark und dauerhaft beeinträchtigt. Auch das Landschaftsbild wird massiv und irreversibel beeinflusst. Im Zuge eines Feststellungsverfahrens nach dem Umweltverträglichkeitsprüfungsgesetz hat die zuständige Behörde (Tiroler Landesregierung) entschieden, dass es für das Vorhaben keiner Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) bedarf, da die Umsetzung des Projektes keine „erheblichen schädlichen, belästigenden oder belastenden Auswirkungen auf die Umwelt bedingt“

Landesumweltanwalt Johannes Kostenzer sieht das nach eingehender Prüfung des Sachverhaltes anders und hat beim Bundesverwaltungsgericht eine Beschwerde gegen den Feststellungsbescheid eingebracht. Dieses muss nun prüfen, ob eine Umweltverträglichkeitsprüfung durchzuführen ist oder nicht.