Hochmoore: Kleinode der Artenvielfalt und kulturhistorische Wissensspeicher

Hochmoore, auch Regenwassermoore genannt, sind spezialisierte Lebensräume von hoher ökologischer und kultureller Bedeutung.

Hochmoore entwickeln sich vorzüglich in sehr feuchten Breitengraden (etwa in England), denn sie speisen sich - im Unterschied zu Niedermooren - ausschließlich aus Regenwasser. Auch in Österreich sind Hochmoore durch spezielle Gebirgsausformungen meist über ehemaligen Gletscherseen entstanden. Hochmoore sind größtenteils aus vielfarbigen Torfmoosen (Sphagnen) aufgebaut, die sehr langsam wachsen (ca. 1mm pro Jahr). Die ältesten Hochmoore, die nach der letzten Eiszeit entstanden sind, haben heute eine bis zu 15 Meter dicke Torfschicht. Hochmoore sind nicht nur an die nährstoffarmen Bedingungen angepasst, sondern schaffen sich auch selbst ein saures Milieu, in dem nur wenige hochspezialisierte Pflanzen- und Tierarten gedeihen können, zB. die Rosmarinheide oder der fleischfressende Sonnentau. Hochmoore gehören damit zu den extremsten Lebensräumen, die eine biologische Nische der Artenvielfalt bilden. Allerdings kann ihr sensibles ökologisches Gleichgewicht zB. schon durch eine minimale Zufuhr von Düngemittel vollkommen zerstört werden. Sie sind dadurch (wie auch das Hochgebirge) besonders schützenswerte und praktisch nicht wiederherstellbare Lebensräume. Neben ihrer ökologischen haben Hochmoore auch eine kulturelle Bedeutung. Denn Hochmoore sind regelrechte Wissensspeicher, die kulturhistorisch wertvolle Informationen bergen - sowohl zur Geschichte, als auch zur zukünftigen Entwicklung des Lebensraums, in dem sie liegen. Der konstant hohe Wasserstand verhindert nämlich durch den Ausschluss von Sauerstoff eine Belüftung der Sedimente. Mithilfe von Pollen- und Holzanalysen aus Torfkernproben können Wissenschaftler somit bedeutende kulturhistorische Rückschlüsse über die Klimageschichte der jeweiligen Region ziehen, und mögliche Vegetationsentwicklungen voraussagen, die für uns in Zeiten des Klimawandels von großer Relevanz sein können.