Insekten in der hellen Nacht

Wird nicht mehr geflogen, gekrabbelt, gefressen? Werden unsere Insekten immer weniger, weil sie das nächtliche Kunstlicht in den Tod treibt? Ein Beitrag der „Hellen Not“ (Projekt der Tiroler Umweltanwaltschaft und Landesmuseen) im aktuellen Jahrbuch des Vereins zum Schutz der Bergwelt mit dem Schwerpunkt „Insektensterben“ schwenkt den Scheinwerfer auf die Thematik.

Sogar von einem „ökologischen Kollaps“ ist bisweilen die Rede, wenn auf den rasanten Schwund der artenreichsten Klasse in der Tierwelt aufmerksam gemacht wird. Diese drastische Aussage kommt auch deshalb nicht von ungefähr, weil Insekten in einigen für den Menschen sehr wichtigen Prozessen involviert sind – von der Schädlingsregulation über die Bestäubung bis hin zum Erhalt der Bodenfruchtbarkeit.

Studien zeigen eine rapide Zunahme in Helligkeit und Ausdehnung beleuchteter Flächen. Kunstlicht in der Nacht beeinflusst ein Viertel der Landmasse der Erde und stört die von verschiedenen Seiten bereits geschwächten Ökosysteme noch zusätzlich. Dass neben Lebensraumverlust und Belastungen durch schädliche Chemikalien auch die Lichtverschmutzung ein maßgeblicher Faktor des Insektensterbens ist, wird immer mehr bewusst.

Für Insekten äußern sich die negativen Auswirkungen des Kunstlichts in Anlockung, Vertreibung, einem Verlust der Orientierungsfähigkeit und in der Verschiebung der natürlichen Lebenszyklen. Jeder Aspekt des Insektenlebens wird durch Licht beeinflusst – von der Nahrungssuche bis zur Paarung und Entwicklung.

In unserem aktuellen Artikel „Lichtverschmutzung und die Vulnerabilität nachtaktiver Insekten“ kommt aber vor allem auch der Mensch nicht zu kurz. Denn schlechte Beleuchtung ist schlecht für uns alle. So sind technologische Wandelstreiber unter anderem unsere Gesundheit, Sicherheit, Lebensqualität, der Energieverbrauch und die Ökobilanz. Für unsere Umwelt und uns selbst wird deshalb eine „gute fachliche Praxis“ für den Kunstlichteinsatz gefordert. Dabei ist der Standort einer geplanten Beleuchtung genauso zu berücksichtigen, wie eine sensible Lichtplanung und bedarfsgerechte Betriebsweise. Vor allem gute Gesamtkonzepte (urbane, kommunale Lichtpläne) und das strategische Bereitstellen von Informationen (Leitfäden, Best Practice) und Ressourcen (Planung, Förderwesen) sind bedeutend um Maßnahmen erfolgreich in die Praxis zu bringen.

 

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Lichtverschmutzung und die Vulnerabilität nachtaktiver Insekten (Suchy & Stoll)

 

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Jahrbuch 2019 des Vereins zum Schutz der Bergwelt (Hrsg. VzSB e.V.)