Pitztal-Ötztal- jetzt schon Synonym für einen Gletscherschigebietszusammenschluss, der die Gesellschaft spaltet

Am 22. Jänner 2020 wird in Innsbruck die mündliche Verhandlung für die Umweltverträglichkeitsprüfung in der Causa Schigebietszusammenschluss „Pitztal-Ötztal“ stattfinden. 

Nach Meinung des Landesumweltanwaltes gibt die Bezeichnung „Zusammenschluss“ nicht das tatsächlich beantragte Vorhaben wieder. In Anbetracht des Projektumfanges und der räumlichen Ausdehnung sowie der notwendigen massiven Geländeveränderungen inklusive jahrelanger Bau- und Sanierungstätigkeiten und damit einhergehender umfassender Veränderungen des Landschaftsraums, muss man vielmehr von der Entstehung eines neuen Gletscher-Schigebietes zwischen zwei Bestehenden sprechen. Dieses kann auch unabhängig von den bereits bestehenden schitechnischen Anlagen auf dem Ötztaler und Pitztaler Gletscher betrieben werden. 

Für die Umsetzung des Vorhabens braucht es einen 600m langen Schitunnel, mehrere Seilbahnen, Pisten, eine Beschneiungsanlage mit asphaltiertem Speicherteich und mehrstöckige Hochbauten in der alpinen Landschaft. Alles situiert um den Linken Fernerkogel mit den Gletschern Mittelbergferner, Karlesferner und Hangender Ferner. Das betroffene Gelände würde zum Teil völlig überarbeitet und umgestaltet. Ein Indikator für das Ausmaß des Megavorhabens ist die geplante Bewegung von 700.000 m³ Material in Form von Geländeauftrag und -abtrag.

Die Projektkennzahlen weisen eindeutig darauf hin, dass es sich hier um ein Vorhaben und einen daraus resultierenden Umgang mit unserer Natur handelt, der nicht mehr in unsere Zeit und zu unseren gesellschaftlichen Anliegen passt. Vielmehr zeigt sich hier eine anachronistische Herangehensweise, die in krassem Widerspruch zu den aktuellen Herausforderungen des Klimawandels steht und zu keiner Problemlösung beiträgt. 

Auch wenn sich die BetreiberInnen einen zeitlich begrenzten wirtschaftlichen Aufschwung für den Tourismus im hinteren Pitztal versprechen, muss man nicht nur mit irreversiblen Schäden für Umwelt und Natur rechnen, sondern auch mit negativen Folgen für andere Schigebiete in Tirol, vor allem vor dem Hintergrund der stagnierenden Zahlen an SchifahrerInnen im Alpenraum in den letzten Jahren. Volkswirtschaftlich gesehen wird durch die gegenseitige „Kannibalisierung“ der Schigebiete in Tirol aufgrund derartiger naturzerstörerischer Megavorhaben ein langfristiger Schaden angerichtet, unter welchem die nachkommenden Generationen zu leiden haben werden. Der Bevölkerungsrückgang in den Tälern wird damit sicherlich nicht gestoppt. Vielmehr braucht es ein Abgehen der maßgeblichen Akteure im Tourismus und in der Politik von den Denkmustern des „immer mehr an intensivtouristischer Infrastruktur“ hin zu zeitgemäßen Lösungsansätzen. 

Dank der starken medialen Berichterstattung der letzten Monate ist das Projekt „Gletscherschigebietszusammenschluss Pitztal – Ötztal“ in das Bewusstsein sehr breiter Bevölkerungsschichten vorgedrungen, die mit Recht in Hinblick auf die Zerstörung der Natur dessen Sinnhaftigkeit in Frage stellen. Vor allem die Aussicht, dass der Gletscher bis spätestens 2050 abgeschmolzen sein wird - wie sogar in den Projektunterlagen angeführt ist - zeigt die Unausgewogenheit des Vorhabens und die fehlende Sensibilität in Bezug auf Ressourcenschonung, Naturschutz und die Verkehrsproblematik in Tirol.