Ökosystem-Dienstleistungen: Wie viel ist unsere Umwelt wert?

Was kostet das Bestäuben von Obstbäumen? Wie teuer ist die Säuberung von Luft durch Bäume in der Stadt? Wie viel kostet der Wasserrückhalt im Boden um Hochwasser zu vermeiden? Oder das Filtern von Wasser durch den Berg? Solche und ähnliche Fragen verbergen sich unter dem etwas sperrigen Begriff der Ökosystem-Dienstleistungen.

Darunter  versteht man den von der Natur für den Menschen erbrachten "Nutzwert", dh. verschiedene Funktionen, die von der Natur ausgeführt werden und damit die Grundlage für unsere Lebensqualität schaffen. 

Seit einer 2001 von der UNO in Auftrag gegebenen Studie (Millennium Ecosystem Assessment), die einen Überblick über die wichtigsten Ökosystemdienstleistungen geben sollte, werden letztere in 4 Hauptkategorien unterteilt: bereitstellende Dienstleistungen (wie zB. die Nutzung von Rohstoffen als Nahrungsquelle, Baumaterial oder für die Pharmaindustrie); regulierende Dienstleistungen (Bestäubung, Klimaregulation oder zB. der Schutz vor Naturkatastrophen); unterstützende Dienstleistungen (zB. die Erhaltung der genetischen Vielfalt und des Nährstoffkreislaufs); und kulturelle Dienstleistungen (wie die Erholung und das Wohlbefinden des Menschen in der Natur).

In der Wissenschaft hat sich in den letzten Jahren ein bedeutender Forschungszweig herausgebildet, der sich intensiv mit der "Messung" und der Veränderung von Ökosystem-Dienstleistungen beschäftigt. Dabei wird immer wieder versucht, den Wert einzelner Funktionen der Natur in Zahlen auszudrücken. So schätzten Wissenschaftler den Wert aller Ökosystem-Dienstleistungen der Welt im Zeitraum eines Jahres auf ca. 33 Trillionen Dollar. Solche Versuche, den Wert der Natur in monetären Maßstäben auszudrücken, haben zwar dazu beigetragen, die Tragweite unserer Abhängigkeit von Ökosystem-Dienstleistungen aufzuzeigen; die Betrachtung und Wertschätzung der Natur abseits eines wirtschaftlich-utilitaristischen Denkens gerät dabei aber zu häufig in den Hintergrund. 

Dabei stellt der emotionale Zugang der Menschen zur Natur, das intensive Erleben der Natur in ihrer Vielfalt und Schönheit den eigentlichen und unbezahlbaren Wert für uns Menschen dar. In diesem Sinne stehen einige Wissenschaftler dem Begriff der Ökosystemdienstleistungen als marktorientiertem Konzept kritisch gegenüber, - propagiere er doch die Idee einer Trennung von Mensch und Natur und eine Überlegenheit des Menschen über die von ihm kontrollierte und als "Dienstleisterin" wahrgenommene Umwelt.

Ein Forschungsprojekt des Instituts für Ökologie der Uni Innsbruck, bei dem die Tiroler Umweltanwaltschaft beteiligt ist, versucht in diesem Zusammenhang die Bedeutung von Natur, Landschaft und Lebewesen innerhalb der Ökosystem-Dienstleistungen einer breiten  Öffentlichkeit bekannt zu machen.

Weitere Infos zum Projekt: https://www.uibk.ac.at/ecology/forschung/projects_landscape_ecology/alpes.html.en