Künstliche Beschneiung in Tirol: ein Blick hinter die Kulissen

Es ist bekannt, dass die BetreiberInnen von Skigebieten weder Kosten noch Ressourcen scheuen, um auch in schneearmen Wintern eine weiße Unterlage auf ihre Pisten zu bringen. Welches Ausmaß die Produktion von Kunstschnee heute tatsächlich angenommen hat und welche Auswirkungen mittel-und langfristig zu erwarten sind, dürfte aber nur den Wenigsten bekannt sein. Zum Beispiel jenen, die das von Arno Ritter, Christian Mariacher  und Benedikt Sauer herausgegebene Buch „Vermessungen. Tirol auf der statistischen Couch“ (2014, Eigenverlag) gelesen haben. Hier erfährt man zB, dass mittlerweile in Tirol mehr Wasser für künstliche Beschneiung verbraucht wird als die Stadt Innsbruck Trinkwasser in einem ganzen Jahr benötigt. In Zahlen ausgedrückt sind das im Jahr über 18 Millionen m³ Wasser für die Produktion von Kunstschnee versus 12 Millionen m³ Trinkwasserverbrauch der Landeshauptstadt. 

Auch die finanziellen Dimensionen der Produktion von Kunstschnee klingen imposant: Um 1ha Piste so präparieren zu können, dass darauf Skigefahren werden kann, beträgt allein die Erstinvestition dafür 140.000 EUR. 

Der Energieaufwand für die Produktion von Kunstschnee beträgt im Jahr in etwa zwischen 70 und 90 GWh (Gigawattstunden). Das entspricht der Energie, die jene 46.000 PendlerInnen in ca. 240 Tagen benötigen würden, um jeden Tag mit einem Elektroauto von ihrem Wohnort nach Innsbruck in die Arbeit und wieder retour nach Hause zu fahren.  

Insgesamt wurde in den Tiroler Skigebieten in den letzten Jahren pro Winter eine Fläche von 5.500 ha, also über 50 km² beschneit. Das entspricht ungefähr 7.000 Fußballfeldern. Das Wasser für diese Beschneiung kommt größtenteils aus Fließgewässern und wird in 126 Beschneiungsteichen gesammelt. 

Die Jahreskonsenswassermenge (also die Wassermenge, die jedes Skigebiet pro Jahr für künstliche Beschneiung entnehmen darf) hat sich in den letzten Jahren massiv erhöht-derzeit liegt sie bei 18,9 Millionen m³ Wasser. Auch wenn dieses Wasser nicht verloren geht, wird es doch von tieferen in höhere Lagen umgelagert,- was durchaus negative Folgen u.a. für den Naturhaushalt haben kann. Denn das Wasser aus tiefen Lagen ist oft mit Nährstoffen und Pestiziden angereichert und bringt –ins Hochgebirge gepumpt - Veränderungen der Vegetation mit sich. Das ist nicht nur aus ökologischer Sicht bedenklich, sondern auch in Hinblick auf die Verschärfung einer Hochwassergefahr. Die Retentionsfähigkeit der Böden (also die Fähigkeit, Wasser im Boden zurückzuhalten und zu speichern) von planierten Skipisten ist nämlich deutlich geringer, als jene von natürlichen Böden.

Auch wenn es nachvollziehbar ist, dass der Wintertourismus in Tirol ohne künstliche Beschneiung nicht mehr existieren könnte, muss man sich die Frage stellen, warum angesichts der vorher genannten Tatsachen nach wie vor im Zuge von Schigebietserweiterungen bzw. Schigebietszusammenschlüssen neue Pistenflächen beantragt werden, wenngleich von vorneherein klar ist, dass dafür eine künstliche Beschneiung und damit mehr Wasser- und Energieverbrauch notwendig sein werden.