Foliengewächshäuser der Gemüsebauern irritieren

Bei Kematen im Oberinntal sind zum ersten Mal auf über 2 ha Foliengewächshäuser für den Gemüseanbau errichtet worden. Diese Konstruktionen sind so groß, dass ein Traktor problemlos durchfahren und ernten kann. 

Nachdem in der Tiroler Umweltanwaltschaft mehrere Beschwerden eingegangen sind, hat sich Landesumweltanwalt Johannes Kostenzer diese Konstruktionen genauer angesehen und erkannt, dass sich dieser Fall äußerst ambivalent gestaltet. Die fest mit dem Boden verbundenen Konstruktionen treten in der Landschaft negativ in Erscheinung und bestehen aus einer widerstandsfähigen Kunstofffolie. 

Der spezielle Konflikt liegt zwischen der von uns allen erwünschten regionalen Lebensmittelproduktion und der damit einhergehenden Unterstützung heimischer GemüseproduzentInnenen einerseits und andererseits den Beeinträchtigungen für die umgebende Landschaft, der nach Meinung des Landesumweltanwaltes nicht gelösten Frage der Oberflächenentwässerung und letztendlich auch mögliche befürchtete Beeinträchtigungen für die Insektenlebewelt. 

Natürlich ist eine Lebensmittelproduktion vor Ort sehr wünschenswert, da dadurch lange Transportwege eingespart werden können. Auf den gegenständlichen Flächen wurde jedoch auch bisher Gemüse angebaut. 

Der Landesumweltanwalt befürchtet, dass nach Bewilligung dieses Präzedenzfalles andere Gemüsebauern nachziehen werden, um konkurrenzfähig bleiben zu können und dadurch der Inntalboden sukzessive mit derartigen Gewächshäusern überzogen wird.

Abgesehen von den Beeinträchtigungen für das Landschaftsbild gibt es weitere Faktoren, die man dabei berücksichtigen muss. Zum Beispiel, dass das Gemüse in diesen Gewächshäusern nicht durch natürliches Regenwasser bewässert wird, sondern mit Wasser aus Tiefbrunnen. Durch die Versiegelung/Überdachung kann der Regen nicht mehr großflächig versickern sondern wird  „kanalisiert“. Die Ableitung dieser Wassermengen - speziell bei Starkregenereignissen – in die Bäche und schlussendlich in den Inn wirkt den Hochwasserschutzbestrebungen des Landes entgegen. 

Auch wenn konventionelle Anbaufelder der Intensivlandwirtschaft gewidmet sind, bieten sie dennoch einigen Tieren Lebensraum und Nahrungsquellen. Mittels dieser Foliengewächshäuser werden diese Tiere wie .z.B. der Graureiher, Insekten und Kleinsäuger aus diesen Habitaten ausgeschlossen. 

Nachdem die Interessenabwägung zudem im naturschutzrechtlichen Bewilligungsbescheid nach Ansicht des Landesumweltanwaltes mangelhaft ist, keine raumordnungsrechtliche Widmung für die Anlage vorliegt und auf Grund der vorher angeführten Gründe hat sich der Landesumweltanwalt entschieden, den naturschutzrechtlichen Bewilligungsbescheid für diesen Präzedenzfall zu beeinspruchen, damit eine Überprüfung durch das Landesverwaltungsgericht erfolgt.

Man kann davon ausgehen, dass das Erkenntnis des Landesverwaltungsgerichtes einen richtungsweisenden Charakter haben wird.