Pilze: was leidenschaftliche Sammler wissen sollten....

Pilze sind lange als Teil des Pflanzenreichs angesehen worden, bis die Mykologen herausfanden, dass sie aufgrund ihres physiologischen Aufbaus eher zu den Tieren gehören. Heute ordnet man den Pilzen ein eigenständiges systematisches Reich zu. Im Unterschied zu den Pflanzen verfügen die Pilze nicht über Chlorophyll und ernähren sich daher auch nicht über die Photosynthese, sondern -wie die Tiere- von organischen Nährstoffen ihrer Umgebung, die sie durch Abgabe von Enzymen aufschließen und für sich verfügbar machen. Damit erfüllen Pilze eine sehr wichtige Funktion im Ökosystem des Waldes. So fungieren Pilze als Destruenten, d.h. Zersetzer organischen Materials, durch das die Pilze neben den Bakterien und anderen Kleinstlebewesen aus organischem Material Humus bilden und damit maßgeblich zu einem nährstoffreichen Aufbau des Waldbodens beitragen.

Aus diesem Grund ist das verstärkte Entfernen von Pilzen aus dem Wald, wie es im Sommer und im Herbst in bestimmten Gebieten in Tirol betrieben wird, ein nicht unbedeutender Eingriff in das Ökosystem. Zusätzlich bringen Pilzsucher, die sich beim Sammeln oft abseits der markierten Wege bewegen, Unruhe in den Wald und irritieren dabei Wildtiere, was sich mitunter durch viele angenagte Baumrinden bemerkbar macht. Das achtlose Gehen auf steilen Waldhängen trägt ausserdem zur Erosion des Bodens bei. Problemtisch sind vor allem kommerzielle Pilzsammler, die gruppenweise in großem Stil die wertvollen "Waldfrüchte" ernten. Der Grad der Organisation ist dabei oft beeindruckend: manche Sammler haben Kühlschränke und Trockenanlagen im Auto oder vakuumieren bereits vor Ort ihre Ausbeute. Aus diesem Grund hat die Tiroler Landesregierung 2005 eine Pilzschutzverordnung verfasst, die regelt, unter welchen Rahmenbedingungen man Pilze sammeln darf: Das Zeitfenster zwischen 7h und 19h ist einzuhalten; ebenso ist die Sammelmenge pro Person auf 2 kg pro Tag limitiert. Für die Einhaltung dieser Verordnung sorgt die Tiroler Bergwacht, die neben der Aufklärungsarbeit auch Strafen einholt. Wer die 2-kg Grenze pro Tag aber nicht überschreitet, kann nach Herzenslust sammeln. Die meisten Sammler kennen nur die klassischen Speisepilze wie Steinpilz, Pfifferling, Parasol, Reizker und Champignon. Tatsächlich verbergen sich im Wald viele andere essbare und oft schmackhafte Pilzarten. Neben dem Schmökern in Pilzbüchern kann man sich übrigens bei der Lebensmittelaufsicht in Innsbruck Klarheit über seinen Fund verschaffen. Auch beim Verein für Pilzkunde Tirol/Jenbach gibt es ein spezielles Pilzbestimmungs-Service für Hobby-Pilzesammler.