Asphaltierte Radwege: ein Naturschutzproblem?

Immer mehr Menschen wählen in Tirol das Fahrrad als Verkehrsmittel, sei es für ihre Mobilität oder aus sportlichen Gründen. Diese an sich wünschenswerte Entwicklung bringt zunehmend den Wunsch nach Asphaltierung von Radwegen mit sich. Gerade entlang von Biotopen ist diese Entwicklung aus naturkundlicher Sicht problematisch. Dabei gibt es gute Alternativen zur Asphaltierung wie etwa der Bau von wassergebundenen Schotterdecken (Kalkbruchsanddecken).

In den letzten 30 Jahren wurde das Tiroler Radwege-Netz massiv ausgebaut. Viele dieser Radwegtrassen weisen Schotter oder andere unversiegelte Oberflächen auf- etwa dann, wenn sie durch ökologisch oder landschaftlich besonders hochwertige Räume führen. Unter dem Motto der Optimierung von Wegen ist allerdings eine steigende Tendenz zur Asphaltierung zu beobachten. Für Rennradfahrer mag das Vorteile bringen wie zB. die geringe Reibung. Aus ökologischer Sicht stellen die Asphaltierung und die damit einhergehende Zerschneidung von Lebensräumen jedoch einige Probleme dar, besonders für bodengebundene Insekten. Aber auch für Amphibien oder Reptilien ist das Überwinden von asphaltierten Straßen schwer. Zusätzlich heizt sich der Asphalt im Sommer auf, was zu einer weiteren Barrierewirkung führt; im Winter kann er zu Eisflächen führen, die auch RadfahrerInnen gefährlich werden.

Eine Alternative zur Asphaltierung sind wassergebundene Schotterdecken. Diese bringen Vorteile sowohl für unsere Fauna, als auch für Radsportler und erholungssuchende Spaziergänger. Sie sind durchlässiger als Asphalt, für Tiere leichter überwindbar, und dennoch glatt und gut zum Radfahren geeignet. Im Vergleich zu Asphaltstraßen sind sie in der Errichtung kostengünstiger, erfordern allerdings regelmäßige Wartungsarbeiten. 

Um die negativen Auswirkungen der Neuanlage von Wegen in Tirol zu minimieren, arbeitet die Tiroler Umweltanwaltschaft mit der Abteilung Verkehr und Straße vom Land Tirol zusammen. In einer  Erhebung wurden Bereiche definiert, in denen auf Asphaltierungen verzichtet werden sollte (zB. hochwertige Biotope, Uferschutzbereich oder Auwald). Nicht zu vergessen ist auch der erhöhte Erholungswert, der von naturnaher Infrastruktur ausgeht und von vielen Menschen geschätzt wird. Das zeigt ein Beispiel aus Osttirol: dort ist eine "Optimierung" der beliebten Radwegachse durch Lienz geplant, im Zuge derer ein Teil eines unbefestigten Radwegs asphaltiert werden soll. Ein Großteil der Lienzer Bevölkerung hat darauf mit starken Protesten reagiert.