Alte Getreidesorten bringen einen Mehrwert für Bauern, Naturschutz und Ernährung

Foto: @ LUA

Zum zweiten Mal trafen sich Tiroler Biobauern am 3. März im Rahmen einer Fortbildungsveranstaltung des Projekts „Alte Tiroler Getreidesorten“. Manuel Böhm, selbst Biobauer und Berater aus Oberösterreich, hat sich aus Überzeugung auf den Weg nach Tirol  gemacht – so sagt er, da derartige Projekte unterstützenswert sind. So konnte er wertvolles Wissen zur Fruchtfolge und dem biologischen Getreidebau erläutern.

Mit knapp unter 0,12 % der Fläche ist Innsbruck Land der Bezirk mit der größten Getreideanbaufläche in Tirol. Früher und noch bis vor etwa 60 Jahren sah die Sache ganz anders aus: Getreidefelder waren gar nicht wegzudenken aus der Kulturlandschaft. Noch nach dem zweiten Weltkrieg war die Anbaufläche in Tirol 23 mal so groß wie heutzutage. Mit einem derartigen Verlust von Äckern schwinden aber auch die Kulturfolger (wie die bodenbrütenden Vogelarten Ortolan, Feldlerche, Wachtel). Nun ist es die Bestrebung der Tiroler Umweltanwaltschaft, dass Naturschutz, umweltgerechte Landwirtschaft, Erhaltung von Kulturgut und Vermarktung von biologischen Qualitätsprodukten zusammengebracht werden und voneinander profitieren können.

Im letzten Jahr haben 18 Bio-Betriebe bei dem Projekt „Alte Tiroler Getreidesorten“ mitgemacht. Es wurden alle Projekt-Sorten angebaut: Tiroler Kolbendinkel, Sechszeilige Pumpergerste, Tiroler Früher Binkel, Tiroler Sommerroggen, Tiroler Rispenhirse und Obernberger Schwarzhafer. Die meisten Betriebe bauten den Obernberger Schwarzhafer an, mit dem das LUA Projekt im Jahr 2008 gestartet hat. Die Hälfte der Teilnehmer hat von der Tiroler Genbank Saatgut bezogen, die andere Hälfte hatte eigenes Nachbau-Saatgut. Ohne die Genbank könnte es das Projekt in dieser Form gar nicht geben, denn ohne die Sammlung und Erhaltung wären viele Sorten heute schon nicht mehr verfügbar.

Christian Partl von der Tiroler Genbank stellte fest, dass einige Landsorten, und insbesondere der Tiroler Kolbendinkel durch ihre agronomische Eignung durchaus großes Potential für einen Anbau haben. Björn Rasmus, Geschäftsführer von Bioalpin, sieht gute Vermarktungschancen für alte Getreidesorten in Form von Flocken und Müesli. Bedeutend ist die Qualität des Getreides und das ist gar nicht so einfach für die Bewirtschafter. Christina Ritter, Obfrau von Bio Austria, übernimmt die Qualitätssicherung für die Abnahme über Bioalpin.

Die meisten Bio-Bauern und Bäuerinnen haben die alten Landsorten für den Eigengebrauch angebaut – so wurde die Ernte für Futtergetreide oder zum Brotbacken verwendet. Vier Bio-Bauern haben den Obernberger Schwarzhafer an Bioalpin geliefert, auch heuer wird er wieder unter der Marke „Bio vom Berg“ im Supermarktregal zu finden sein. Zwei Betriebe haben Schwarzhafer an die Edelbrennerei Kostenzer geliefert. Apropos – nächstes Jahr gibt es den ersten Whisky aus Obernberger Schwarzhafer, der dann 3 Jahre im Robinienfass gereift ist.

Besonders erfreulich ist, dass sich zusätzlich zu den bisherigen Biobauern eine Reihe neuer interessierter und engagierter Bio-Betriebe gemeldet haben und dieses Jahr mit dabei sein werden. Wir freuen uns über diese positive Entwicklung des Projekts!

Link zur Projektseite

http://www.tiroler-umweltanwaltschaft.gv.at/getreideprojekt

Link zur Tiroler Genbank

http://tinyurl.com/prcb2z7