Umweltanwaltschaft tritt für die Erhaltung des Naturparadieses am Obernberger See ein

Foto: @ Tiroler Umweltanwaltschaft

Am idyllischen Obernberger See , der seit 1935 als Naturdenkmal gilt und seit 1984 im Landschaftsschutzgebiet Nösslachjoch - Obernberger See - Tribulaune liegt, soll anstelle des ursprünglichen Alpengasthofs ein neues Wellness-Hotelprojekt mit dem Namen "Natur Refugia" entstehen. Zum derzeit laufenden Bewilligungsverfahren hat die Tiroler Umweltanwaltschaft eine Stellungnahme verfasst, denn nach eingehender Prüfung des Vorhabens muss davon ausgegangen werden, dass die Schutzziele und der Schutzzweck des Landschaftsschutzgebietes im Falle einer Verwirklichung des Hotelprojektes nicht gewahrt werden können.

Mehrere Aspekte werden hierbei als problematisch angesehen. Das neue Hotelprojekt würde vor allem  ein ganz besonderes Landschaftsensemble stark beeinträchtigen, das bisher sowohl Einheimische als auch Touristen angezogen hat: ein idyllischer See inmitten einer sanften Waldlandschaft an einem Talschluss, der den Wanderer bei seiner Ankunft mit der eindrucksvollen Hintergrundkulisse der Tribulaune empfängt und zum Verweilen und zur Einkehr in eine gemütliche Hütte einlädt.

Das geplante Bauvorhaben verdreht diese Vorzeichen: anstelle des ursprünglichen, der Landschaft angepassten und im traditionellen Holzstil gehaltenen Alpengasthauses ist die Errichtung eines dreigeschossigen Hochbaues vorgesehen mit Seminar- und Gastronomieräumen, dazugehörigen Nebenräumen, Personalwohnungen und einer Betreiberwohnung, sowie die Errichtung von insgesamt fünfzehn „Outdoor Refugien“ (d.h. unter der Erde situierten Wohneinheiten für je 4 Personen). Gerade in naturkundlich sensiblen und geschützten Landschaftsräumen ist es wesentlich, eine harmonische Beziehung zwischen den Baukörpern und ihrer Umgebung herzustellen. Der Entwurf des neuen Hotels sieht jedoch einen hohen Glas-Holz-Turm vor, der den Blick in die Landschaft dominiert. Zusätzlich ist das Projekt durch seine Kubatur und dadurch in seiner Dimensionierung problematisch, da sie ein Vielfaches an Raum annimmt, als der bisherige Alpengasthof. Das vertraute Bild des romantisch gelegenen Wirtshauses würde durch einen modernen Hotelbau abgelöst werden.

Ein weiterer Aspekt ist die Frage der Zufahrt. Das neue Projekt beinhaltet ein Ansuchen um Fahrtengenehmigungen für Tages- und Übernachtungsgäste. Der damit verbundene Verkehr würde das Landschaftsschutzgebiet und letzten Endes den Erholungswert für die Gäste entwerten. 

Aus diesen Gründen ist das vorliegende Projekt aus Sicht der Tiroler Umweltanwaltschaft nicht geeignet, sich in das idyllische und mehrfach geschützte Landschaftsbild des Obernberger Sees einzufügen und den derzeit für Einheimische und Touristen vorhandenen Erholungswert auch in Zukunft sicher zu stellen.

Stellungnahme der Tiroler Umweltanwaltschaft