Vogelfreundliches Bauen

Junger Buchfink, Scheibenopfer Foto: @ P. Morass/ Tiroler Landesmuseen

Tausende Vögel kommen jährlich  durch Aufprall an Glasscheiben um. Glasscheiben bergen für Vögel ein besonderes Risiko, da sie es oft nicht sehen und daher nicht als Hindernis wahrnehmen können. In den letzten Jahren hat die zunehmende Verwendung von Glas an und in Gebäuden diese Problematik noch verstärkt.

Die Tiroler Umweltanwaltschaft hat ein Positionspapier verfasst, um auf dieses Thema aufmerksam zu machen. Die Broschüre "Vogelfreundliches Bauen mit Glas und Licht" der Schweizer Vogelwarte in Sempach ist eine vorausschauende Hilfestellung für Bauherren und Architekten. Darin wird gezeigt, dass vogelfreundliches Bauen keineswegs monotone Architektur oder unakzeptable Einschränkungen bedeutet. Denn dank wissenschaftlicher Erkenntnisse und technischer Neuerungen weiß man mittlerweile von wirksamen Maßnahmen gegen Vogelanprall. Grundlegend sind dabei neue Erkenntnisse über die Wahrnehmung von Vögeln: da die Augen der meisten Vogelarten sehr weit seitlich am Kopf liegen, verfügen diese über einen «Weitwinkelblick», manche Arten sogar über einen «Rundumblick». Damit erkennen sie Feinde oder Artgenossen, die sich ihnen nähern, viel schneller. Der Nachteil aber ist, dass nur ein vergleichsweise kleiner Winkel von beiden Augen gleichzeitig abgedeckt wird. Dadurch sind stereoskopisches Sehen und räumliche Wahrnehmung von Vögeln sehr eingeschränkt. Als Folge daraus fallen sie vor allem drei Phänomenen zum Opfer: 1) Durchsicht: je transparenter das Glas, desto unsichtbarer für Vögel. 2) Spiegelung: der Vogel fliegt zB. den im Glas gespiegelten Baum direkt an. Je stärker sich die Umgebung spiegelt und je naturnaher diese ist, desto häufiger kommt es zu Kollisionen. 3) Gefahrenquelle Licht: nächtlich ziehende Zugvögel werden durch Lichtquellen wie innen beleuchtete Gebäude, gegen oben abstrahlende starke Lichtquellen, oder etwa Leuchttürme irregeleitet, kommen vom Kurs ab und kollidieren mit Hindernissen oder Gebäuden. Je höher die Gebäude sind, desto grösser ist die Gefahr.

Zusammengefasst bedeutet das: Großflächige Glasfronten und starke Spiegelungen inmitten einer direkt anliegenden grünen Umgebung stellen Kombinationen dar, die für Vögel zu Todesfallen werden. Im Nachhinein lassen sich diese Gefahren kaum mehr entschärfen. Manche spätere Nachbesserungen sind zwar möglich, in ihrer Umsetzung aber sehr teuer.

Die oft verwendeten Greifvogelsilhouetten haben sich in den meisten Fällen als wirkungslos herausgestellt. Die Untersuchungen zahlreicher, der Publikation der Schweizer Vogelwarte in Sempach vorausgegangenen Forschungsprojekte haben dazu geführt, dass es mittlerweile zahlreiche Möglichkeiten gibt, wie Bauherrn und Architekten den Gefahrenquellen im Voraus begegnen und diese bewusst entschärfen können. Bestimmte Materialien und Beschichtungen können Durchsicht und Spiegelung effektiv reduzieren; flächige Markierungen, sowie horizontale oder vertikale Linien mit variabel gestaltbaren Unterbrechungen haben sich dabei als besonders wirkungsvoll erwiesen. Für die Gestaltung der Fassaden mit Sichtschutz aus Aufdruck und Mustern sind den Architektinnen damit keine Grenzen gesetzt.

Die Broschüre "Vogelfreundliches Bauen mit Glas und Licht" offenbart eine unglaubliche Anzahl an verschiedenen Lösungsansätzen mit Fallbeispielen und praktischen Umsetzungen, und zeigt, dass vogelfreundliches Bauen keine Einschränkung bedeutet, sogar im Gegenteil als Bereicherung und Inspirationsquelle für moderne innovative Architektur und Gestaltung gesehen werden kann.

 

Positionspapier der Tiroler Umweltanwaltschaft „Vogelanprall an Glasflächen“.