Geplante Novellierung des Raumordnungsprogrammes für Golfplätze bringt Rückschritte für den Naturschutz

Das Raumordnungsprogramm für Golfplätze soll geändert werden. Der vorliegende Verordnungsentwurf der Tiroler Landesregierung wird von der Tiroler Umweltanwaltschaft abgelehnt, da die beabsichtigte Aufweichung des Moorschutzes große Nachteile für den Naturschutz bringt.

Zwei Punkte im Verordnungsentwurf sind besonders kritisch hervorzuheben: Bisher durften Golfplätze nicht in unmittelbarer Nähe von oder auf Moorböden gewidmet werden. Das neue Raumordnungsprogramm verwendet bei Mooren u.a die neue Wortschöpfung „Trockenmoor“ (ein Begriff, den es in der Fachliteratur nicht gibt) und differenziert zwischen "funktionellen" und "nicht-funktionellen" Mooren. In Hinkunft soll es aufgrund dieser unwissenschaftlichen Differenzierung möglich sein, z. B. auf von landwirtschaftlichen Flächen überlagerten Torfböden einen Golfplatz zu errichten. Ausnahmslos alle Moore sind aber u.a. Sonderstandorte nach dem Tiroler Naturschutzgesetz und erfahren dadurch einen besonderen Schutz. Auch die relevanten Protokolle der Alpenkonvention sehen einen besonderen Moorschutz vor. Denn Moorböden haben neben ihrer naturkundlichen Wertigkeit eine weltweit wichtige Funktion als Kohlendioxidspeicher und verfügen beinahe ausnahmslos über ein hohes Renaturierungspotential. Überdies sind sie essentiell für den Hochwasserrückhalt. Umgekehrt bedeutet das, dass der Verbrauch von Moorböden  für Golfflächen die Klimaproblematik verstärkt, da dadurch große Mengen CO2 freigesetzt werden. Torfkörper haben auch einen unschätzbaren Wert als erdgeschichtliche Archive (z.B. für Pollen), da in ihnen die Geschichte der Landschaft etlicher Jahrtausende enthalten ist. Es wäre daher nach Ansicht der Tiroler Umweltanwaltschaft ein großer Fehler, die noch wenigen in Tirol bestehenden Moore, welcher Ausprägung auch immer, durch die Errichtung von Golfplätzen zu gefährden.

Der zweite Punkt betrifft Golf-Übungsanlagen. Die vorgeschlagene Bestimmung, dass Golfübungsanlagen bis zu 10 ha in der Nähe von Beherbergungsbetrieben der gehobenen Kategorie (umfasst auch Campingplätze) errichtet werden dürfen, sofern das Kriterium der räumlichen Nähe zum Beherbergungsbetrieb erfüllt ist, lehnt die Tiroler Umweltanwaltschaft ab. Es sollte die bestehende Regelung beibehalten werden, um zu verhindern, dass in Hinkunft Golfübungsanlagen ohne Einschränkung errichtet werden können. Die anvisierte Änderung des vorliegenden Entwurfes ist für die Zielsetzung eines sparsamen Umgangs mit Grund und Boden absolut abträglich.

Letztlich bedeutet die geplante Novellierung auch einen Rückschritt für die Planungssicherheit und für ein zügiges und friktionsarmes Verfahren. Denn trotz erfolgter Flächenwidmung kann die Genehmigung im anschließenden Bewilligungsverfahren versagt werden.

Derzeit gibt es in Tirol insgesamt 20 Golfplätze und 8 Übungsanlagen. Grundsätzlich ist die Tiroler Umweltanwaltschaft der Errichtung von Golfplätzen gegenüber aufgeschlossen eingestellt. Denn in manchen Fällen können Golfplätze durchaus zu einer Verbesserung der Situation vor Ort führen. Dies ist zum Beispiel der Fall, wenn die anvisierten Golfflächen landwirtschaftlich intensivst genutzt wurden (z.B. Maisanbau für Biomasseheizkraftwerk) und es sich zusätzlich um einen „ausgeräumten“ Landschaftsraum handelt. Dennoch muß man sich auch bewusst sein, dass Golfplätze für eine sehr kleine Gruppe von NutzerInnen große Flächen in Anspruch nehmen, die ansonsten von der Allgemeinheit u.a. als Erholungsraum genutzt werden könnten.

Link zur Stellungnahme der Tiroler Umweltanwaltschaft