Der Druck auf das Hochgebirge wird stärker

Der steigende Druck auf das Hochgebirge und die dort vorkommenden schützenswerten Lebensräume bereitet dem Umweltanwalt Sorgen.

Bisher war das Hochgebirge ein wenig erschlossener Raum. Doch die Einwirkungen auf diesen Lebensraum und die damit verbundenen Veränderungen haben sich in den letzten Jahren durch steigenden Raumbedarf (va. Verbauungen und touristische Nutzungen), aber auch durch klimawandelbedingte Standortveränderungen laufend intensiviert. Letztere haben Verdrängungsprozesse von bisher in niedrigeren Lagen lebenden Pflanzen- und Tierarten in höher gelegene Räume in Gang gesetzt. Problematisch ist dabei vor allem die besondere Sensibilität des Hochgebirges, in dem die Sommer kürzer sind als im Tal und die Temperaturschwankungen bedeutend höher. In diesen Verhältnissen ist das Wachstum der Pflanzen sehr viel geringer als in niedrigeren Lagen. Ein Beispiel dafür ist die Krummsegge, die weniger als 1 mm pro Jahr wächst. Für einen 10 cm-langen Trieb brauchen Krummseggen also gut 100 Jahre an Wachstumszeit. Eingriffe im Hochgebirge sind aufgrund dieser langen Wachstumszyklen daher für die dort vorkommenden Lebewesen besonders folgenreich:  es kann Jahrtausende dauern, bis sich ein zerstörter Lebensraum im Hochgebirge wieder regeneriert.

Die Tiroler Umweltanwaltschaft fordert aus diesem Grund eine besonders sorgsame Nutzung des Hochgebirgsraumes. Zu diesem Zweck wird derzeit ein Positionspapier erarbeitet, in dem auf Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse auf die speziellen Bedürfnisse des Hochgebirges und seiner Arten und auf die daraus folgenden notwendigen Schutzmaßnahmen aufmerksam gemacht werden soll.


Als Hochgebirge werden Regionen bezeichnet, die oberhalb der natürlichen Waldgrenze (ab etwa 2.300 bis 2.500 Hm) liegen und in denen eine Vielzahl von seltenen Pflanzen- und Tierarten durch spezielle Anpassungs-Strategien trotz extremer Lebensbedingungen über Jahrtausende überlebt haben. Im Hochgebirge finden wir auch eine Vielzahl von Endemiten - Lebewesen, die nur in einer ganz bestimmten abgegrenzten Umgebung vorkommen. Ein Beispiel ist die bayrische Kurzohrmaus, die zunächst auf bayrischer Seite entdeckt wurde (daher ihr Name), heute jedoch nur mehr auf österreichischer Seite, nämlich im Rofan, vorkommt.

Mehr dazu können Sie in den November-Ausgabe der monatlichen Radiosendung zur Arbeit der Tiroler Umweltanwaltschaft auf Radio Freirad hören.