Aufrüstung der künstlichen Beschneiung in Tirol – Kein Ende in Sicht?

 Die Notwendigkeit der technischen Beschneiung ist für die Tiroler Umweltanwaltschaft nach­vollziehbar, sofern durch die Anlagen keine starken und irreversiblen Beeinträchtigungen für die Schutzgüter nach dem Tiroler Naturschutz entstehen und durch die notwendigen Wasserentnahmen der Schutz der Gewässer nicht unterlaufen wird.

Nachdem in den vergangenen Jahren zahlreiche Beschneiungsanlagen entstanden sind und als zentrales Element dieser Anlagen Beschneiungsteiche, stellt sich für den Landesumweltanwalt die Frage, wann die Ausbaugrenze erreicht ist bzw. ob es überhaupt einen Plafond dafür gibt?

Die aus ökologischer Sicht am besten vertretbaren Standorte für Beschneiungsteiche sind beinahe zur Gänze jetzt schon genutzt. Es werden daher immer öfter Standorte anvisiert, die mit großen Beeinträchtigungen für die naturkundlich wertvollen Lebensräume und Gewässer verbunden sind.

Speicherstandorte, die heutzutage von den Projektanten ausgesucht werden, waren vor einiger Zeit noch „No Go-areas“. Speicherteiche in Moorflächen oder in Bereichen von geschützten Lebensraumtypen sind  auch in Zukunft keine Option für die Tiroler Umweltanwaltschaft.

Die Tiroler Umweltanwaltschaft fordert nicht nur die anvisierten Standorte genau unter die Lupe zu nehmen, sondern verweist im Zusammenhang mit dem Wasserbedarf auf das Verschlechterungsverbot nach Wasserrahmenlinie und auf die diesbezügliche Verschärfung durch die aktuelle Judikatur des Europäischen Gerichtshofes.

Neben dem Energie- und dem Wasserverbrauch darf nicht vergessen werden, dass ein Speicherteich mitsamt seinen unterirdisch verlegten Leitungen und Bauwerken (Pumpstationen, Kühltürme) immer ein künstliches Gebilde in der Naturlandschaft darstellt, selbst wenn diese Naturlandschaft in der Regel schon vom Menschen vorbeeinflusst ist. Im Übrigen werden für die Abdichtung der Beschneiungsteiche vorzugsweise Kunststofffolien bzw. in manchen Fällen auch Asphaltoberflächen verwendet.

Bisher hat sich das Land Tirol dazu bekannt, keine Schneizusätze bei der Herstellung von Kunstschnee zu verwenden. Auf Grund der Tatsache, dass die Temperaturen immer mehr steigen und eine künstliche Beschneiung nur bei Minusgraden möglich ist, gibt es jetzt in Tirol Begehrlichkeiten, die Verwendung von entsprechenden Schneizusätzen, wie z.B. gefriergetrocknete Bakterien, zuzulassen. Damit wäre die Erzeugung von Kunstschnee auch über Null Grad möglich.

 Nicht nur aus ökologischer Sicht muss man sich also damit auseinander setzen, bis zu welchem Grad es sinnvoll und vertretbar ist, der Natur „nachzuhelfen“, um einen unter diesen Umständen fragwürdig attraktiven Winterskisport aufrecht zu erhalten.